Was ist mir noch geblieben?
Ein
weiteres Gespräch mit dem Arzt von Herr Krause zeigt denkbare
Perspektiven auf. Er bestätigt, dass Herr Krause sich bewegen, die
Muskeln aufbauen – natürlich seinen Möglichkeiten entsprechend moderat
- dann wäre er nicht nur auf Hilfe angewiesen, können sogenannte
Transfers (z. B. vom Rollstuhl auf einen normalen Stuhl, auf die
Toilette usw.) allein machen und würde sich dadurch ein Stück
Selbständigkeit erhalten. Natürlich wäre es hilfreich, mit anderen in
Kontakt zu treten, die ein ähnliches Schicksal haben. Ja, er könnte
auch schwimmen. Das Wasser würde seine verkrampften Gelenke und Muskeln
lockern. Nein, im Pflegeheim wäre das alles nur in sehr geringem Maße
möglich. Einzelphysiotherapie, evtl. zweimal die Woche – mehr nicht.
Es
lässt mich wirklich nicht los! Wir als gemeinnütziger Verein für
Menschen mit Amputationen und von Amputation bedrohten Menschen bieten
alles: Muskelaufbau, Fitness, Schwimmen, Erfahrungsgruppen und eine Vielzahl anderer Aktivitäten.
Aber es wird Herrn Krause nicht möglich
sein, an diesen Aktivitäten teilzunehmen. Warum? Das Pflegeheim, in dem
er lebt, liegt eine Dreiviertelstunde von unserer Einrichtung entfernt.
An die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist für Herrn Krause nicht
zu denken. Krankenkassen und andere Träger kommen für die
Leistungen, die wir bieten und die durchaus erwünscht sind, nicht auf.
Ich
unternehme, was im Rahmen meiner Möglichkeiten liegt: Kontakt zum
Pflegeheim, um deutlich zu machen, welche Übungen und
Mobilisierungsarten für Herrn Krause wichtig sind, damit er langsam
wieder Vertrauen in seinen Körper findet. Ich kann mit Herrn Krause
sprechen, ihn besuchen, ihn mit anderen Amputierten seines Alters
zusammenbringen, die noch mobiler sind und ihn besuchen.
Das
Schicksal von Herrn Krause ist kein Einzelfall. Sehr viele Menschen
„leben“ zurückgezogen, isoliert und nicht selten nach einer Amputation
allein mit gewisser Verwahrlosungsgefährdung oder in
Pflegeeinrichtungen.
Unsere Haupt-Sponsoren hatten und
haben es nicht zur Auflage gemacht, alle Menschen, die wir betreuen,
„wieder auf die Beine zu stellen“, sondern auch, ihnen zur Seite zu
stehen in dieser neuen Lebenssituation, ihnen Mut machen, ein wenig
Lebensqualität zu vermitteln.
Aber langfristig möchten wir deutlich mehr:
Wir möchten unser Angebot ausdehnen, erweitern:
Zum Beispiel Mobilitäts-Gruppen für Rollstuhlfahrer, Fahrdienste, öffentliche
Aufklärungs-Veranstaltungen, Kooperation mit Senioren-Einrichtungen -
aber uns fehlen die finanziellen Mittel ...
…
das ist nur ein Beispiel von vielen, bei denen die Beratung schnell an Grenzen
stößt, die Begegnung mit anderen im Verein zwar möglich ist,
Wünschenswertes aber leider an der Fragen der finanziellen Machbarkeit
leicht scheitert...
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